Es wird oft als „Liebes- oder Bindungshormon“ bezeichnet. Oxytocin spielt jedoch während der gesamten Zeit der Mutterschaft eine weitaus umfassendere und wesentlichere Rolle. Es ist bereits während der Schwangerschaft vorhanden, steht im Mittelpunkt der Geburt und ist in der Zeit nach der Geburt von unschätzbarem Wert. Es begleitet Mutter und Kind in den entscheidenden Momenten der Bindung, insbesondere durch Berührungen und Massagen.
Oxytocin während der Schwangerschaft: Die Bindung vorbereiten
Bereits während der Schwangerschaft ist Oxytocin aktiv. Es trägt dazu bei, eine Bindung zwischen der werdenden Mutter und ihrem Baby aufzubauen. Wenn die Mutter mit ihrem Baby spricht, ihre Hände auf den Bauch legt, sich entspannt oder positive Emotionen empfindet, wird Oxytocin ausgeschüttet.
Dieses Hormon wirkt wie ein Botenstoff des Wohlbefindens:
- Es fördert die Ruhe,
- baut Stress ab,
- stärkt das Sicherheitsgefühl
Studien zeigen, dass ein höherer Oxytocinspiegel mit einer besseren emotionalen Regulierung bei der werdenden Mutter einhergeht. Mit anderen Worten: Sich während der Schwangerschaft um sich selbst zu kümmern, bedeutet bereits, die Bindung zu stärken.
Oxytocin – eine Schlüsselrolle bei der Geburt
Bei der Geburt spielt Oxytocin eine zentrale Rolle.
Es ist das Hormon, das die Gebärmutterkontraktionen auslöst und den Geburtsvorgang vorantreibt. Je sicherer sich die Frau fühlt, je mehr sie sich umsorgt und unterstützt fühlt, desto besser wird die natürliche Oxytocinproduktion angeregt.
Umgekehrt können Stress, Angst oder eine als unsicher empfundene Umgebung diese Freisetzung hemmen. Deshalb wird oft betont, wie wichtig Folgendes ist:
- eine ruhige Umgebung,
- eine wohlwollende Anwesenheit,
- beruhigende Gesten (Massage, Berührungen, sanfte Worte)
Oxytocin hilft dem Körper dabei, das zu tun, wozu er geschaffen ist, und dabei seinen Rhythmus zu respektieren.
Nach der Geburt: Ein wichtiges Hormon für die Bindung
Nach der Geburt ist Oxytocin weiterhin in hohem Maße vorhanden. Es spielt eine Schlüsselrolle bei:
- der Bindung zwischen Eltern und Baby,
- dem Stillen (Milchspendereflex),
- der emotionalen Erholung
Hautkontakt, Kuscheln und körperliche Nähe fördern die Ausschüttung dieses Hormons sowohl beim Baby als auch bei den Eltern. Dieses Hormon hilft jedem, sich in dieser neuen Beziehung sicher zu fühlen.
Berührungen und Babymassage: Oxytocin auf natürliche Weise anregen
Berührungen gehören zu den wirksamsten Mitteln, um die Ausschüttung von Oxytocin anzuregen. Insbesondere die Babymassage ist dafür bekannt, die Ausschüttung dieses Hormons sowohl beim Baby als auch bei den Eltern zu fördern.
Untersuchungen zeigen, dass Massagen:
- Stress abbauen,
- Weinen lindern,
- den Schlaf verbessern,
- die Bindung stärken
Doch abgesehen von den messbaren Wirkungen ist die Massage vor allem eine Zeit der Zuwendung und der Kommunikation. Durch die Berührung sendet die Bezugsperson dem Baby eine klare Botschaft: „Du bist in Sicherheit, ich bin da.“ Diese Botschaft wird zum großen Teil durch Oxytocin vermittelt.
Ein umweltsensitives Hormon
Oxytocin wird manchmal als das „schüchterne Hormon“ bezeichnet. Für seine Produktion sind günstige Bedingungen erforderlich:
- Ruhe,
- Sanftheit,
- Rücksichtnahme auf den eigenen Rhythmus,
- kein Druck
Das gilt sowohl während der Geburt als auch in der Zeit danach. Es gibt keine „richtige Art“, sein Baby zu lieben oder zu massieren. Das Wichtigste ist, einen authentischen Moment zu schaffen, ohne Leistungsdruck.
Zusammenfassend
Oxytocin begleitet die Mutterschaft von Anfang bis Ende. Es stärkt die Bindung während der Schwangerschaft, ermöglicht die Geburt, fördert die Bindung nach der Geburt und wird durch jeden Moment der Nähe genährt.
Berührungen, Umarmungen, Hautkontakt und Babymassagen sind einfache und wirkungsvolle Mittel, um dieses Hormon auf natürliche Weise anzuregen. Alltägliche Gesten, die jedem zugänglich sind und die Grundlage für emotionale Sicherheit bilden – sowohl für das Baby als auch für die Eltern. Denn manchmal sagt eine einfache, sanfte Geste mehr als tausend Worte.